Rosa Listen und Petitionen
Das wichtigste ganz oben: egal wie Wirkungslos ihr Petitionen findet, bitte unterzeichnet für die Petition “Keine Führung eigener Register zur Erfassung von trans* und nichtbinärer Personen vom 14.07.2025”. Im Rest des Textes geht es um das warum, danach über Petitionen insgesamt.
Die Rosa Listen waren in den Zeiten des deutschen Kaiserreichs (also im 19. Jahrhundert) erstellt und geführt wurden, um zu erfassen, wer Homosexuell war. Diese Praxis ermöglichte die Massenverfolgung homosexueller Menschen während der nationalsozialistischen Diktatur der 1930ern und 1940ern. Wie viele andere gesetzliche Regelungen wurde auch diese Praxis nach dem zweiten Weltkrieg bis in den 2000ern fortgeführt (was zu einem Skandal führte, als dies an der Öffentlichkeit kam — offenbar wurde mal wieder den wichtigen Grundsatz vergessen: ACAB).
Schon seit Jahren gibt es ebenfalls Bestrebungen, solche Register für trans* und nicht-binäre Personen einzuführen. Im Transsexuellengesetz (TSG) aus den 1980ern wurde die Änderung des geschlechts- und Namensregistereintrags möglich. Zeitgleich wurde mit dem Offenbarungsverbot sichergestellt, dass Akteur*innen innerhalb des juristischen Rahmens keine solche Listen anlegen, um uns gezielt zu verfolgen (wir erinnern uns: ACAB — dennoch ist dieses Verbot wertvoll). Nach der Einführung des Selbstbestimmungsgesetzes kamen unter anderem in Bayern sogenannte Genderverbote für Verwaltungen — der rechtsradikalen Flügel der CSU ist dabei offensichtlich auf dem Geschmack gekommen und möchte nun ein solches Register befüllen. Ein solches Register senkt massiv die Hürden für die Massenverfolgung unsere trans* und nicht-binären Geschwistern.
Nun zu Petitionen. Oft wird gesagt, eine Petition sei so etwa wie das Anbetteln der Mächtigen. Es ist sicher richtig, dass Petitionen zu den schwächeren Mitteln der politischen Einflussnahme gehört. In vielen Situationen würde ich sofort unterschreiben, dass beispielsweise direkte Aktion wesentlich wirkmächtiger sind. Gäbe es das Register schon, wäre die aktive Vernichtung eines Registers durch einem Cyber-Angriff effektiver (auch wenn es relativ aussichtslos wäre, da es in diesem Fall wohl untrennbar vom Melderegister wäre). Hier allerdings geht es darum, Akteur*innen (und damit der Staat) auf der moralischen Verwerflichkeit ihres Vorhabens hinzuweisen. Nichts hält irgendwem davon ab, abseits des juristischen Rahmens trotzdem Listen zu erstellen (wir erinnern uns: ACAB). Ebenfalls kann eine Petition das Handeln vom Dobrindt nicht verhindern.
Warum dennoch unterschreiben? Erstens, weil Petitionen im Bundestag zum Portfolio der direktdemokratischen Verfahren gehören (im Gegensatz zur klassischen Petition auf einer Plattform von Dritte). Zweitens weil es extrem niedrigschwellig ist. Drittens weil es einen Weg dafür sein kann, das Thema überhaupt bekannt zu machen und auch Kreise zu erreichen, die sonst nie was davon mitbekommen hätten — weil dieses Thema eben nur wenige betrifft. Sind Petitionen der Weg zur emanzipatorischen Revolution? Ziemlich sicher nicht. Aber eine emanzipatorischen Revolution erfordert, dass Menschen politisch aktiv sind – bestenfalls Petitionen sind einen ersten Schritt auf dem Weg dorthin. Im schlechtesten Fall legen sich Menschen danach wieder auf der Couch – wo sie zuvor schon waren. Also: warum nicht?
die Frage ist zwar eigentlich rhetorisch, aber diskutiert die weiteren Gründe gerne :)